Charlottesville ein Jahr danach – was bleibt?

Rehash 2018?

Wie bereits geschrieben: Ich verspreche mir von UTR2 nichts. Ich werde mir auch keine Live-Mitschnitte ansehen. Punctum.

Jason Kessler ist ein extrem zwielichtiger Charakter. Über seine politische Vita (von „Occupy Wallstreet“ zu „Unite the Right“) steht genug im Netz. Noch viel schlimmer scheinen mir die Berichte über sein Auftreten bei den Gerichtsterminen post-Charlottesville. Der Mann bekennt sich scheints zu seinen Drogenproblemen und psychischen Instabilitäten, hat freimütig die privaten Daten von Kontaktpersonen an die Behörden weitergegeben… Man muß sich wirklich fragen, wer so dumm sein kann, an UTR2 teilzunehmen.

Der Fairneß halber (und nur deshalb) soll Kessler aber auch selbst zu Wort kommen. Sein Interview mit J.F. fand ich nicht schlecht. Sympathischer ist er mir dadurch allerdings auch nicht geworden.

Insgesamt wird sich das Ganze in Grenzen halten. Wie gesagt, es gibt eigentlich keine Klientel mehr für eine solche Veranstaltung. Die Alt-Right ist trotz aller administrativen Hürden online weiter stark. Die „Szene“ gerade im Blog-, Podcast- und Videobereich hat sich eher noch diversifiziert. Der oben eingefügte Herr Gariépy ist eines der besten Beispiele dafür. Vermutlich haben die berufsbetroffenen Warner und Mahner sogar recht. Das erfolgreiche Einsickern gewisser Begrifflichkeiten und Gedankenstränge in den Mainstream scheint in den USA deutlich besser zu verfangen als im europäischen Raum. Das wird zu großen Teilen mit der anderen Rechtslage zu tun haben, aber auch mit der fudroyanten Radikalisierung dort.

Mit Prognosen sollte man immer vorsichtig sein. Dennoch: UTR2 wird vielleicht 100, maximal 200 Personen anziehen. Darunter werden (wie schon beim ersten Mal) etliche V-Leute und Undercover-Journalisten sein. Die offizielle Presse wird jedenfalls die Teilnehmer locker überwiegen. Hinzu kommen die Gegendemonstranten. Charlottesville hat gestern schon einiges aufgeboten. Quantitativ allemal. Politisch hochradikal. In Washington, D.C. wird das kaum anders aussehen. Vielleicht liegt darin der Mehrwert. Randale wird es geben. Nur eben so gut wie keine „Nazis“. Daher Bad optics von links: noch mehr Gewalt gegen Unbeteiligte, fremdes Eigentum und die Polizei.

Nun läßt die dortige Polizei nicht mit sich spaßen. Gewiß wird auch Personal des Secret Service in der Peripherie sein. Von daher ist nicht unbedingt mit den Bürgerkriegsszenen von 2017 zu rechnen. Man sollte dennoch niemals „nie“ sagen. Anarcho-tyranny ist Realität. Davon ist gerade die amerikanische Hauptstadt nicht ausgenommen.

Strenggenommen spielt überhaupt keine Rolle, was in ca. vier Stunden in Washington, D.C. passiert. Die Kundgebung wird kaum auffallen. Kessler wird danach wohl in der Versenkung verschwinden. Wichtig ist allein, wie die Alt-Right in ihren Kernbereichen weiter verfährt. Das heißt: Trolling und Redpilling. Vielleicht noch ein gewisses Maß an Metapolitik. Alles weitere ist eine Verschwendung von knappen Ressourcen und kostbaren Menschen. Das dürfte die wesentliche Erkenntnis aus „Unite the Right“ vor einem Jahr sein. Wohl dem, der daraus gelernt hat!

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von Anders Noren.

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