Richard Spencer im COMPACT-Gespräch

SPENCER: […] In der US-Rechten gibt es einen gewissen antiintellektuellen Einschlag, aber ich finde, daß es mir genützt hat, mich eingehend mit Marx, der Frankfurter Schule, Freud und anderen zu beschäftigen. Natürlich ist es wichtig, seine Feinde zu kennen, aber ich halte es für ebenso wichtig, gelegentlich etwas von ihnen abzuschauen.

Die Linke hat mindestens in den letzten hundert Jahren im intellektuellen Bereich viel gründlicher gearbeitet als die Rechte. Das sehen Sie im amerikanischen Universitätsbetrieb, der von Linken beherrscht wird, und ich bin mir sicher, daß es in Deutschland und anderen europäischen Ländern genauso ist. […] Es gibt zu denken, daß die Rechte diese Bereiche einfach aufgegeben hat und sie sogar mit Argwohn betrachtet. Wenn die Rechte es wirklich wollte, könnte sie etwa in der Kunst mindestens einen Fuß in die Tür bekommen, aber sie will nicht. Eigentlich ist das eine wirklich üble Sache und erklärt ein ganzes Stück weit, warum die Rechte ins Hintertreffen geraten ist. […]

Ich habe mich mit der Frankfurter Schule ebenso ernsthaft auseinandergesetzt wie mit Nietzsche, der mein paneuropäisches Denken maßgeblich geprägt hat, und ich glaube, daß es eine gewisse konservative Mentalität gibt à la: »Lest dieses scheußliche Zeug nicht, wir beschützen euch davor!« Das mag gut gemeint sein, aber wir müssen uns doch mit der Krise der modernen Welt auseinandersetzen! Wir können sie nicht einfach wegwünschen oder so tun, als bräuchten wir nur diese Bücher zu ignorieren und stattdessen nur noch freundliche, pädagogisch wertvolle Filme zu schauen, um den ernsten spirituellen – oder meinetwegen auch wirtschaftlichen – Krisen der Moderne zu entgehen. Wir müssen sie angehen! Und es gibt auf der Rechten die ziemlich träge und kindische Tendenz, über solche Dinge einfach nicht nachdenken zu wollen und sich nur für Familie, Arbeit und Unterhaltung zu interessieren.

Aber das war nicht immer so: Die Konservative Revolution stand für eine Zeit, in der die Rechte die Speerspitze des Denkens bildete, sich mit derartigen Gedanken auseinandersetzte und sehr wichtige interne Debatten über die Zukunft Deutschlands und Europas führte, und ich denke, daß die Alt-Right diese Atmosphäre zurückbringt, so gut es geht. Ich will mich natürlich nicht mit diesen Denkern vergleichen, die ich bewundere, aber ich sehe die Alt-Right als Ort echter Ideen. Manchmal höre ich mir konservative Kommentatoren an, wie sie sich über Steuersenkungen streiten und irgendeine kulturelle Neuheit oder die politische Korrektheit bejammern – dort gibt es keine großen, kühnen und gefährlichen Ideen, überhaupt keine.

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von Anders Noren.

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