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2019 – Ein weiteres Current year

2019 ist nur eine Zahl – die Substanz liegt anderswo.
Lesedauer: 6 Minuten

2019 endet, und wir ersaufen mal wieder im Meta. Oder doch nicht? Der ganz unpopuläre Standpunkt kommt jedenfalls zum Schluß. Ihr braucht ja was für den Winter.

Zum Geleit

Im Grunde ist längst alles auf den Punkt gebracht, und zwar schon vor geraumer Zeit:

The year is 20XX , all culture has been reduced down to a cocktail of mental viruses.

Lassen wir das ganz große Getöse einfach mal beiseite. Tatsächlich gäbe es da auch gar nicht viel zu berichten – 2019 kann als ein Abziehbild für die »ewige Gegenwart« gelten. (Die habe ich vor über drei Jahren in einem mehr oder weniger konspirativen Vortrag in Jena zum ersten Mal umrissen. Ein erstes – und bis heute anhaltendes – Eintauchen in die Metamoderne, wenn man so will.)

Selbst die gewohnten Leidmedien wissen kaum, worauf sie in 2019 zurückblicken sollen. Das kommt nicht von ungefähr. Obgleich geopolitisch und vor allem technologisch ein ungeahntes Zeitalter des Übergangs anstünde, leben wir doch in Erstarrung. Vielleicht schon seit 2001 spielt sich immer nur das gleiche Spiel mit wechselnden Darstellern ab. Politische Kulissenschieberei, ein paar Wahlen, ein paar Terroranschläge. “Ibiza”, 70 Jahre Grundgesetz, Ursula von der Leyen. Was haben wir gelacht. Baudrillard und Virilio gefällt das nicht, und mir auch nicht. Daß ich zu Jahresbeginn das Rauchen aufgegeben habe, ist mir tausendmal wichtiger als irgendwelche Schmierenkomödien.

2019: Halali!

Halten wir es also kurz und bündig. Im kommenden Jahr werden – je nach Gemengelage – zwischen vier und sechs Bücher unter meiner Beteiligung veröffentlicht werden. Allerdings voraussichtlich nicht jedes davon mit meinem Namen auf dem Umschlag. Sie verstehen schon. Die Bitte um Teilnahme an einem Sammelband nach dem Motto “Wie ich dieses und jenes Buch las und wie ich mich dabei gefühlt habe” hingegen habe ich just am Tag vor Heiligabend abgelehnt, weil solche Oberlehrerprojekte fürchterlich peinlich sind.

Den Anfang sollte eigentlich recht bald meine Übersetzung von Jack Donovans A More Complete Beast machen. Das war eine sehr kurzweilige, erfreuliche und inspirierende Arbeit. Wie ich bereits in meinen »Überlegungen zu einer postmodernen Rechten« in Sezession 92 angemerkt habe, ist Donovans Triptychon der Mannbarkeit damit abgeschlossen – und zwar sehr sinnvoll abgeschlossen. Es freut mich, daß ich meinen kleinen Teil dazu beitragen konnte, durch

Letztere liegt jedenfalls schon seit Mitte September 2019 fertig vor, und ich bin gespannt, wann der Verlag sich endlich dazu herablassen wird, das kleine, aber feine Werk der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Als nächste Übersetzungsarbeit steht dann schon ein sehr kontroverses, jahresaktuelles Buch in den Startlöchern. Zu hoffen ist, damit endlich die lästigen “Omninationalisten” abzustellen.

Das wird (mal wieder) etlichen Zeitgenossen nicht schmecken. Aufgrund sowohl des Autors als auch des Werkszusammenhangs. Was der jeweilige Verlag davon hält, weiß ich nicht. Zumindest mir ist es aber (mal wieder) egal. Wie hieß es bei einem dieser legasthenischen “Szene”-Nachwuchs-“Alternativjournalisten” beim Gründeln nach Reaktionen? »Gegen die Verwegnerung der Neuen Rechten«? Nun, Schnitzeljunge und seine Spielkameraden können sie zum allergrößten Teil gerne haben. Zumindest all die schlechten Meme à la “Ethnopluralismus” und “Metapolitik”.

Wer dieses ganze spätkapitalistisch-hyperreale Schattenboxen Familiengründung und -leben vorzieht und daraus auch noch eine “heroische” Pose konstruiert, sollte ohnehin aussterben. Das ist schon in Ordnung so, auch (polit-)evolutionär. Immerhin kann es bei dem ganzen lächerlichen Rummel mittlerweile nur noch um das eigene Fortbestehen gehen, um Resilienz der kleinsten Einheiten. Also, Schluß mit dem traurigen Reformismus-Aktionismus. Hört einfach auf, uns alle zum Gespött zu machen.

2019: Jahr aus, Spott an

Womit wir denn auch beim endgültigen Schlußlicht wären, denn 2019 ist ein Jahr – wie jedes andere auch –, um auf Trotteln und Bauernfängern herumzutrampeln. In Minecraft, natürlich.

Daß man als stolzer “Paddriod” nicht die Muttersprache zu beherrschen braucht, machen ja gerade die größten Netzberühmtheiten der “Szene” vor. Ein wenig Grundrechnen sollte aber wohl doch drin sein – und sei es nur, um das Flaschenpfand zusammenzuzählen.

Die kleine Kohorte an PI-Leserschaft, die da in Köln demonstrierte, bestand optisch aus (schlecht erhaltenen) GenXern. Deren »unsere Omas«, die dort laut Tweet »gewürdigt« wurden, wären demnach Angehörige der Generation der Kriegskinder und Flakhelfer (vgl. hierzu mentalitätsgeschichtlich unbedingt Maschke!). Allein: Das sind nicht die im WDR-Lied veralberten Omas, denn die Großeltern der Kinder, die dort gesungen haben, sind ihrerseits tatsächlich Babyboomer. Diejenigen, die sich jetzt nach und nach zur Ruhe setzen. Solche mit Aufklebern wie »Wir verprassen das Erbe unserer Kinder schon jetzt« am Wohnmobil. Verantwortliche für 16 Jahre Helmut Kohl und wohl ebenfalls 16 Jahre Angela Merkel. Die Generation des vordergründig so reumütigen WDR-Intendanten Tom Buhrow selbst. Diejenigen, die sich noch ohne viel Federlesens den unablässig steigenden GEZ-Beitrag abpressen lassen.

Und diejenigen, über die herzuziehen in jugendlich-dissidenten Kreisen seit zwei, drei Jahren enorm modisch ist. Durchaus nicht zu Unrecht – auch wenn darüber stärker reflektiert werden muß, wenn man sich nicht lächerlich machen will, wie ich bereits in Semriach feststellte. Zumal dann, wenn man allzugern das Geld dieser Leute nimmt. Einen Beigeschmack hat das Ganze unter diesen Voraussetzungen auf jeden Fall: Wenn “paddridiodische” Berufsaktivisten über “die Boomer” herziehen, ist das etwas anderes, als wenn es öffentlich-rechtliche Politmedialmarionetten tun? Ja oder nein? Und wenn nein: Was ist von “Dissidenten” und “Verteidigern des Eigenen” zu halten, die in derart banalen Dingen nicht konsequent sind?

2019: Addenda

Allein: All das ist tatsächlich gar nicht mal so wichtig. Für sich und die Nächsten eine Enklave zu schaffen, bedarf ebenso des Rückhalts wie des Willens. Sich nur in dicken (alten, fauligen…) Brettern festzubeißen, führt überall zu einer Verbiesterung, die ebenso ins Nichts führt wie das verzweifelte Heischen nach Mehrheitsfähigkeit. In diesem Sinne:

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