Belltower.News auf Sparflamme: die Alt-Right von 2017

Das „Netz gegen Nazis“ war eine ziemlich dumme Seite. Der Nachfolger „Belltower.News“ ist das um so mehr. Denn mit der neuen Fassade hat sich die Amadeu-Antonio-Stiftung von allen Partnern und Förderern „unabhängig“ gemacht. Nun ist offenbar Sparsamkeit geboten, und das ausgerechnet zu einem so anspruchsvollen Thema wie der Alt-Right.

„Belltower.News“ an und für sich

Natürlich möchte man ein einflußreiches „Watchblog“ sein, doch insgesamt schafft „Belltower.News“ keine große Aktualität. Abgesehen von der täglichen Presseschau via Google und dpa befaßt man sich mit Allgemeinplätzen, etwa der Betroffenheit über „Haß im Netz“ . Hohen Stellenwert genießt auch die Werbung für Gesinnungsgenossen wie die umtriebige IB-„Infiltratorin“ Julia Ebner und das launige Ein-Mann-„Recherchekollektiv“ Jerome „Merz“ Trebing. (Belehre bitte jemand die Interviewerin Kira Ayyadi über den Ursprung des Pseudonyms „Merz“ beim Dadaisten Kurt Schwitters. Vielleicht begreift sie dann endlich, daß ihre Namensauffassung falsch ist.) Bei „Belltower.News“ hält sich die Motivation zur im „Kampf gegen Rechts“ so wertvollen „Recherche“ offenbar in Grenzen. Dementsprechend befassen sich sachbezogene Beiträge oft mit bereits länger zurückliegenden Ereignissen, unter Ausschlachtung externer Berichterstattung.

Nun ist es allerdings müßig, ein totes Pferd zu prügeln. Kommen wir also zum konkreten Fall.

„Belltower.News“ und IDZ – Fleisch vom Fleische

Da es sich bei der amerikanischen Alt-Right um eines der wenigen genuin rechten Phänomene von globalem Interesse handelt, möchte auch „Belltower.News“ auf dem reichlich großen Trittbrett in Richtung Google-Ranking reiten. Zu diesem Zweck wurde dort vorgestern ein „Fact sheet“ des jenaischen Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) zum Thema gebracht. Nun handelt es sich beim IDZ realiter um eine Metastase der Amadeu-Antonio-Stiftung selbst, die sich also selbst bewirbt. Im „wissenschaftlichen Beirat“ sitzt denn auch allerlei akademische Antifa, deren Publikationen wiederum den sachlichen Anspruch der Arbeit unterfüttern dürfen. (IDZ-Direktor Matthias Quent reagiert wenig erfreut auf Fragen, wenn man ihn wie 2016 in Schnellroda trifft.) Kooperiert wird selbstverständlich u.a. mit dem Londoner „Institute for Strategic Dialogue“, für das besagte Frau Ebner durch die Medien tingelt und verficht, daß eine Diskursbearbeitung natürlich nur von links her ok sei.

In medias res

Was „Belltower.News“ in der salbungsvollen Vorbemerkung geflissentlich übergeht: Dieses „Fact sheet“ stammt von 2017, die Bildbelege großteils noch von 2016. Was die digitale Hauptverwaltung Aufklärung beim Wühlen im Biomüll der Kollegen gefunden hat, ist denn auch maximal einen flüchtigen Blick wert. „Experten“-Unsinn aus dieser Richtung ist man ja bereits gewohnt, etwa von der unvermeidlichen Andrea Röpke zu Jack Donovan (siehe hier).

Die offenkundige Sensationsheischerei, die durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer wird, sei schnell überlesen. Natürlich gibt es keine offenen »Sympathisant_innen« der Alt-Right auf »hochrangige[n] Posten in der Regierung«. Stephen Bannon (der i.ü. nicht lange Zeit als Trumps Chefberater »galt«, sondern einen exakt so bezeichneten Posten innehatte) sah sie nur als Werkzeug, und zu Stephen Miller hat sich Richard Spencer bereits hinreichend geäußert. Auf Gegenbeispiele warte ich gern, allerdings wohl vergebens. Dann ist da natürlich noch die unverzichtbare „Postfaktizität“:

Spätestens seit dem rechtsextremen Aufmarsch in Charlottesville (Virginia, USA) im August 2017 verdeutlicht sich allerdings, dass dieser online geschürte Hass schnell in Gewalt und politischen Mord umschlagen kann: So starb auf einer Gegenkundgebung die 32-jährige Heather Heyer, als ein rechtsextremer Aktivist mit seinem Auto gezielt in eine Menschenmenge fuhr. Zudem gab es bewaffnete Auseinandersetzungen mit Gegendemonstrant_innen und der Polizei. Mehrere Köpfe der Alt-Right feierten diesen Tag als großen Erfolg für die Bewegung.

Charlottesville und kein Ende

Der bemühte Connex zwischen Internet-Trolling und realer Gewalt ist und bleibt lächerlich. Politischen Mord hat es in Charlottesville nicht gegeben. Heather Heyer starb an einem Herzinfarkt. Sie wurde wahrscheinlich nicht einmal von einem der in den Unfall verwickelten Wagen berührt. James Fields ist weder gezielt noch sonstwie in die Gegendemonstranten gefahren, sondern hat zwei andere Autos hineingeschoben. Die wären im übrigen gar nicht vor Ort gewesen, hätte die Antifa nicht die Straße blockiert. Die Gewalt ging in Charlottesville von linken Gruppen aus und schlug auf diese zurück. Jedermann kann das bei YouTube und anderswo nachsehen. (Beziehungsweise konnte, denn aufgrund der laufenden Verfahren haben unzählige Augenzeugen ihre Videos wieder gelöscht.)

Und gefeiert hat das Ordal dieses Tages meines Wissens niemand. Schon gar kein »Kopf« dieser »Bewegung«, die keine Bewegung ist und keine Köpfe hat. Es gibt generell nicht viele „Promis“ der Szene, die das IDZ kennen dürfte. Und unter denen wäre mir so etwas nicht einmal von Andrew Anglin bekannt. Dem ist bekanntlich alles zuzutrauen. Aber auch zu all diesen Punkten warte ich gern einen Gegenbeweis ab. Recherchiert mal schön, ihr Demokraten und Zivilgesellschafter!

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von Anders Noren.

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