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Jungeuropa lebt!

Jungeuropa Forum Dresden
Lesedauer: 4 Minuten

Letztes Wochenende veranstaltete der Jungeuropa-Verlag sein erstes “Jungeuropa-Forum” in Dresden. Die geschlossene Vortrags- und Debattenrunde erwies sich als eine anspruchsvolle, kompetent organisierte Veranstaltung. Folglich: Bitte dringend mehr davon!

Jungeuropa: Die Organisation

Dazu ist an erster Stelle hervorzuheben, wie rasch und unkompliziert der Veranstaltungsort verlegt werden konnte. Zuvor hatte das anfangs gebuchte Tagungshotel nach einem der altbekannten “besorgten Hinweise” à la »Sie wollen doch nicht, daß etwas passiert…« sechs Tage vor dem Termin gekündigt. Deren Pech – und um so besser, wenn das Geld innerhalb der “Szene” verbleibt.

Besonders amüsiert hat mich ein Flugblatt, das – nachdem die Veranstaltung wider Erwarten nicht abgesagt wurde – von engagierter Demokratenseite an alle in Frage kommenden Hotels in Dresden verteilt wurde: »Als Gäste zu erwarten sind […] Richard Spencer, […]«. Nun, liebe Kinder, ich kann nur die häufigere Lektüre meiner Arbeiten empfehlen. Das könnte der einen oder anderen Blamage vorbeugen, soweit das denn überhaupt gewünscht ist…

Jungeuropa: Das Auditorium

Hinsichtlich der ausgewählten Teilnehmerriege war es sehr angenehm, neben vielen bekannten Gesichtern auch etliche Neuzugänge verbuchen zu können. Dies insbesondere spricht für eine Rückkehr zu kleinen, streng themengebundenen Veranstaltungen, die sich ganz der geistigen Schulung und Arbeit widmen. Der zunehmende Eventcharakter ähnlicher Tagungen hat leider die Selbstprofilierung einiger Referenten gleichermaßen befördert wie die mangelnde Ernsthaftigkeit vieler Besucher. Das Happeningsteht einer ernst gemeinten Zukunftsperspektive deutlich im Wege.

Besonders vor diesem Hintergrund ist die Disziplin der Teilnehmer zu betonen, was ebenso für die Abkehr vom Prestige der dreistelligen Besucherzahl samt deren Festivalatmosphäre spricht. Bei durchgehend ca. 30 Grad teils englischsprachigen Vorträgen zu lauschen und konstruktiv zu diskutieren, ist nur im kleinen Kreis möglich. In dieser Hinsicht haben sich alle Anwesenden vorbildlich geschlagen.

Jungeuropa: Das Programm

Hinsichtlich der Referenten wurde der “jungeuropäische” Selbstanspruch vollumfänglich erfüllt. Vortragende aus Deutschland, Österreich, Italien und der Ukraine: eine breite Front gegen den überkommenen und schändlicherweise noch immer in der älteren Rechten vorherrschenden Petty nationalism (Francis Parker Yockey) bzw. »Mikronationalismus« (Benedikt Kaiser). Diesem erteilte Kaiser denn auch eine ausdrückliche Absage, ebenso dem damit verbundenen Typus: der ewige Optimist, der selbst die größte Kröte mit penetrantem Grinsen zu schlucken vermag und seinen Jüngern als großen Erfolg im Heischen nach politischen Brosamen preist.

Auch die Vorträge der drei nicht-deutschsprachigen Referenten vermochten das Publikum zu fesseln. Dazu gehörten zwei Vertreter des akademischen Zweigs von CasaPound Italia (CPI), Valerio Benedetti und Alberto Palladino. Gemäß der sozialrevolutionären Stoßrichtung von CPI skizzierten sie den Korporatismus als historisches Wirtschaftsmodell zur Aufhebung des Klassengegensatzes. Gleichsam ging es ihnen auch um die “soziale Frage” als Hebel zur Aufsprengung der verpanzerten spätbürgerlichen Verhältnisse in Europa. Daran anschließend sprach die Ukrainerin Olena Semenyaka, Verantwortliche für auswärtige Beziehungen der nationalistischen Sammlungsbewegung “National Corps”. Sie erläuterte das paneuropäische Block-Anliegen des Konzepts “Intermarium” – neben einem Parforceritt durch die europäische Geistesgeschichte von Nietzsche bis zur Konservativen Revolution.

Benedetti, Semenyaka, Palladino

Stets folgte das Publikum aufmerksam, bis hin zur Podiumsdiskussion am Samstagabend. Dabei ging es um mögliche Wege eines von Ost wie West unabhängigen Europa. Großraumtheorie à la Carl Schmitt und Geopolitik à la Haushofer/Mackinder? Ganz so einfach ist es leider nicht. Lösungsansätze des frühen 20. Jahrhunderts lassen sich nicht 1:1 auf heute übertragen. Um so erfreulicher, in diesem Segment zwischen Semenyaka und Alexander Markovics vom österreichischen Suworow-Institut moderieren zu dürfen.

Resümee

Insgesamt sind, wie gesagt, alle Beteiligten für diese Veranstaltung zu beglückwünschen. Den Organisatoren des Wochenendes gebührt Dank: Rahmenprogramm, Ablauf bis hin zur Verpflegung waren stimmig; alles ging locker über die Bühne. Es braucht definitiv mehr derartige Foren, thematisch wie planerisch.

Und auch das Drumherum sei nicht vernachlässigt: Man sehe sich nur einmal dieses brillante Plakat zur Veranstaltung an! Vorbild ist natürlich die Plastik “Junges Europa” von Arno Breker. Für die Ausgestaltung jedoch gebührt dem bewährten Franz Reißner aller Respekt.

Schließen läßt sich wohl am besten programmatisch mit Worten von Philip Stein. In diesem Fall aus seinem motivierenden Vorwort zu Marx von rechts. Diesen schon jetzt kontroversen Theorieband gab es am Wochenende exklusiv erstmals zu erstehen:

Unsere Aufgabe ist es, Wege der Einheit auszuloten – für Deutschland und für Europa. Dafür braucht es zuallererst einen fundamentalen Neubeginn, eine neue Theorie und Praxis neurechter Politik, ja eine neue Arbeits- und Denkweise, in der sich die Grundsätze der nationalen und europäischen Solidarität vereinigen.

Darum frisch ans Werk – mit Jungeuropa!

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