Einschläge

So beklagt etwa Nils Wegner, dem melancholischen Unterton des Bandes entsprechend, eine »kognitive Dissonanz«, die sich für ihn daraus ergibt, »daß das, was man verabreicht bekommt an Informationen und Darstellung, daß sich das alles gar nicht deckt mit der Realität …«. Die in den Gesprächen auf dem Rittergut in Schnellroda aufgeworfene Frage nach den Möglichkeiten, die vermeintliche »Fiktion« – beispielsweise der Volkssouveränität, der Mündigkeit des Bürgers etc. – als solche zu entlarven, gibt dabei einen ersten Anhaltspunkt dafür, warum im rechts-intellektuellen Milieu ein gesteigertes Interesse an funktionalisierbaren Realismuskonzeptionen besteht und zwar nicht nur im wie auch immer definierten Sinne von ›Real‹-Politik, sondern vor allem auch an philosophischen und literarischen Realismuskonzeptionen.

Eva Wiegmann: »»Das Wort ›Realismus‹ hat für den Konservativen einen guten Klang«. Ideologische Funktionalisierung neurealistischer Konzeptionen bei der Neuen Rechten«; in: Søren R. Fauth u. Rolf Parr (Hrsg.): Neue Realismen in der Gegenwartsliteratur, Paderborn 2016.

But the German New Right has other influences as well. Nils Wegner, a young writer who translates English-language books into German for Kubitschek’s publishing house, follows the American alt-right scene with great interest — listening, for example, to podcasts by Richard Spencer, the white-supremacist leader who once declared before a crowd of acolytes: “Hail Trump! Hail our people! Hail victory!” Wegner told me that the American idea of a “racially defined ethno-state” would “come across as pretty weird over here,” because Europeans are not comfortable putting identity matters in racial terms. I asked him if this discomfort was substantive or merely semantic, and his answer was surprisingly forthright. “I would say that the main difference is the semantic difference,” he said. “Also, the modus operandi is not really the same.” Unlike alt-right activists in the United States, he went on to explain, activists on the European New Right tend to avoid appearing alongside “orthodox” right groups — neo-Nazis — because “the look” would impede their effort to appear as a “new kind of postmodern” patriotic movement.
Wegner said another difference was a matter of intensity. The Americans, he said, see their country as collapsing, and therefore they advocate revolutionary action — the creation of a white ethno-state in the Pacific Northwest, for example. European New Right activists don’t see their circumstances as that dire, he continued. They would be content with a “roll back” on immigration.
“It’s not yet a revolutionary situation,” he said. “The old structures are to be kept intact.”

James Angelos: »The Prophet of Germany’s New Right«; in: New York Times Magazine vom 15. Oktober 2017.

Members of Kubitschek’s circle, which includes Martin Sellner (a leader of identitarianism’s Austrian branch) and the writer Nils Wegner (a sometime contributor to American white nationalist blogs), are among the more highbrow characters populating Weiss’s account.

Eliah Bures: »Germany’s New Politics of Cultural Despair. Will the return of the European far-right be the undoing of the West?«; in: foreignpolicy.com vom 23. Oktober 2018.

In the words of another participant, Nils Wegner, the “refuges” of the New Right scene are “almost necessary for survival,” a place to channel “one’s disgust at reality” and no longer feel like one “marooned in their own land.”

Eliah Bures: »Beachhead or Refugium? The Rise and Dilemma of New Right Counterculture«; in: Journal for the Study of Radicalism 2/2020.

Wenn Nils Wegner in der Sezession seine Notizen zur »postmodernen Rechten« mit der metaphorischen Umschreibung schließt, dass das postmoderne Denken »den nötigen Schwung [verleihe], um Türen hinter sich zuzuschlagen und neue aufzureißen«, kann man den Wunsch nach geistiger Erneuerung spüren. Es ist die postmoderne Kritikform, die der Neuen Rechten die radikale Verve verleiht, um imaginierte gesellschaftliche Auflösungserscheinungen zu überwinden. […] Wenn Wegner in der Sezession in neuen Medien- und Kommunikationstechnologien ein »neues Verhältnis der Menschen zu Ereignissen überall auf der Welt, zu Fragen der Repräsentation und selbst der Wahrheit als solcher« beobachtet, steht Baudrillard unausgesprochen hinter dem Gedachten. […] Die Annahme Baudrillards, dass das Simulationsprinzip das Soziale neu konfiguriere, wird auch in den Texten der Neuen Rechten aufgerufen. Eine rechte Lesart Baudrillards betrifft die Loslösung der medialen Zeichenketten von ihrem Bedeutungsträger. Für Wegner, der Baudrillard nicht explizit zitiert, ihn aber als Literaturhinweis anführt, ist ein postmodernes Signum der Medienwelt die »nie zuvor gesehene Ausbreitung der Zeichen und Bilder, die auch die neurotopographische Infrastruktur unseres Denkens unmittelbar zu beeinflussen vermag«. […] Der von Baudrillard proklamierte »Aufstand der Zeichen« formiert sich in Zeiten, wo die Linke in der Defensive ist, von rechts. Die Neue Rechte zitiert Deleuze offensiv mit den Worten: »Weder zur Furcht noch zur Hoffnung besteht Grund, sondern nur dazu, neue Waffen zu suchen.«

Carolin Amlinger: »Rechts dekonstruieren. Die Neue Rechte und ihr widersprüchliches Verhältnis zur Postmoderne«; in: Leviathan 2/2020, S. 318–337.

Wegner, Nils (*1987), aus der Nähe von Bremen. Neu-rechter Ideologe, […] skandalöse Beiträge zum Geschichtsrevisionismus […].

Christian Niemeyer, Rentner, 2021.