Incel – Fatale Strategien

Ob in öffentlich-rechtlichen Medien, Boulevardpresse, feministischen Kampfschriften über Toxic masculinity oder Kleinen Anfragen im Bundestag: Das Schlagwort Incel hat längst Einzug in die deutsche Alltagssprache außerhalb eigenwilliger Internetforen gefunden. Spätestens, seit die Todesfahrt des 25jährigen Alek Minassian in Toronto 2018 Anstoß einer »Incel-Rebellion« sein sollte, ist die zeitgeistkompatible Assoziationskette komplett. Demzufolge soll der Incel ganz primär männlich, jung, sozial unterentwickelt, internetsüchtig, latent rechtsextrem und gewaltbereit bis hin zum Attentat sein. In den USA ging der Secret Service 2022 sogar so weit, die Incel-»Bewegung« dem neu aufgemachten Beobachtungsgegenstand des »frauenfeindlichen Terrorismus« zuzuschlagen.

Doch kann das wirklich sein? Denn: Wie sollte sich aus vereinsamten Kontaktscheuen, die die eigene Passivität zu einer Philosophie erhoben haben, eine aktivistisch-gewalttätige Bewegung formen? Demgegenüber werden zur Untermauerung dieser Behauptung pseudowissenschaftliche Konstrukte wie der “stochastische Terrorismus” ins Feld geführt. Klar erkennbare Zusammenhänge von Bluttaten mit Geisteskrankheiten, gefährlichen Psychopharmaka und anderen Einflüssen werden hingegen geflissentlich unterschlagen. Hingegen kommt der wohl wichtigste Faktor gar nicht zur Sprache: die Reduktion aller Faktoren des menschlichen Lebens auf ihren Waren- und Marktcharakter. Aus diesem Grund ist es höchste Zeit für eine strukturelle Einordnung des Phänomens und Erörterung der Lösungsmöglichkeiten.

Ein auf die Lektüre abgestimmtes Hörerlebnis biete ich hier an!

Incel – Fatale Strategien Cover

Incel
Fatale Strategien
96 Seiten, Schnellroda 2024.
ISBN 978-3-949041-88-4
gebunden: 10,00 Euro

Kurz gesagt, ist die Incel-Subkultur im Internet – nüchtern betrachtet – die Schnittmenge aller Probleme unserer jungen Generationen. In diesem Sinne bilden allumfassende Digitalisierung, (Selbst-)Isolation, mangelnde Sozialkompetenz, politische Orientierungslosigkeit und Kommodifizierung sämtlicher Lebensregungen eine reichlich trübe Suppe. Wenn man so will: ein Meer der Möglichkeiten ohne rettendes Ufer, in dem als “Rettungsinseln” Psychopharmaka und Antibabypillen schwimmen. Ebenso wie gute Männer darin unterzugehen scheinen, tauchen immer öfter Monster daraus auf. Unter dem Strich sind das alles genau meine Themen, und eine echte rechte Besetzung dieses medial verminten Terrains war mehr als überfällig.

Stimmen zu Incel. Fatale Strategien

Das Incel-Kaplaken ist hervorragend! Gestern die Staffel bekommen und mit diesem schon durch.

Prof. apl. Dr. Bettina Gruber, Germanistin und Literaturwissenschaftlerin, via Twitter am 12. Februar 2024.

Kann ich nur jedem empfehlen.

Kevin Naumann, Sozialpatriot, via Twitter am 13. Februar 2024.

Wegner legt genialen Kaplaken vor. Auch sehr witzig geschrieben (für des Jargons Mächtige). Bin allerdings nicht die Zielgruppe. Gebt den Band den Boomern, die nicht verstehen, woher die Doomer heute herkommen. Als Geschichte des Incelbegriffs aber für alle zur Lektüre empfohlen.

“buecherernst” via Twitter am 13. Februar 2024.

Es ist bemerkenswert, wie Wegner all diese Stränge zu einer überzeugenden Gedankenführung verbindet und Internetsoziologen ebenso ins Feld führt wie Oswald Spengler. Seine Schlußeinschätzung allerdings stimmt nachdenklich […].

S.U., Rezensent, in Zuerst! 6/2024, S. 80.

Mit den Worten „Es gilt, sich nicht nur mechanisch, sondern auch im Denken auszuloggen, nach draußen zu gehen und normal zu sein“ beschließt Nils Wegner seinen Kaplakenband Incel. Einen besseren Ratschlag kann man allen rechten Aktivisten nicht mit auf den Weg geben.

Volker Zierke, Romancier, via freilich-magazin.at am 31. Juli 2024.

Der »kaplaken« dazu ist übrigens wirklich empfehlenswert […]. Ich hätte eigentlich schon gedacht, wo ich ihn mir geholt habe, da steht wahrscheinlich nicht soviel Neues drin, was ich nicht schon wüßte, aber es waren doch noch einige gute Dinge drin.

Stefan Truniger, thymotisch versierter Ex-Neuschwabenfunker, im Podcast »konsequent frei«