Im vergangenen Jahr 2024 hat sich vieles beschleunigt. Immerhin in die richtige Richtung.
Zum Jahresbeginn 2024 wurde es gleich ein wenig gedrängt. Aus herstellungstechnischen und Planungsgründen erschienen meine beiden angekündigten Büchlein innerhalb von nur sechs Wochen hintereinander.
Bücher 2024: Bildung statt Begeisterung
Den Anfang machte Neoreaktion und Dunkle Aufklärung im Jungeuropa Verlag. Als ich im Herbst und Winter 2022 (!) die Stichpunkte für meine Vorlesung bei der “GegenUni” zum Thema zusammenschrieb, konnten weder ich noch die anderen Beteiligten ahnen, daß das Thema 2024 wieder heiß werden wurde. Sogar so glühend heiß, daß schon kurz nach Erscheinen des Buchs die Vortänzer der bundesrepublikanischen Journaille beleidigt ihren Saunaclub verteidigen mußten (und sich auch ein Jahr später noch nicht wieder beruhigt hatten).
So weit alles, wie es altbekannt war.
Wenig später erschien dann als Teil der 30. kaplaken-Staffel im Verlag Antaios Incel. Fatale Strategien. Es ist ein wenig schade, daß für das Büchlein so extrem wenig verlagsseitige Werbung gemacht wurde. Das mag an den anderen beiden Bänden der Staffel liegen. Der eine ist grundsolide, aber zu einem wenig einfallsreichen Thema. Der andere ist thematisch hochaktuell, aber aus einem esoterischen Blickwinkel ohne politischen Mehrwert. Das mag auch daran liegen, daß ich die vorgebliche “Incel”-Subkultur damit weder eingemeinden noch therapieren wollte, sondern dekonstruieren. Daß mir das gelingt, zeigte die Publikumsreaktion auf einen Vortrag zum Buch, für den ich im Juli 2024 nach Wien geladen wurde. Auch die Kollegen von Jungeuropa haben den Inhalt des Buchs deutlich besser verstanden als manche Leser, die sich beschwerten, daß das Buch gar nicht für “Incels” sei.
Überhaupt scheint die Dünnhäutigkeit (oder das Unvermögen zu sinnentnehmendem Lesen) noch immer zuzunehmen. So schrieb ein pikierter Leser von Neoreaktion … an den Verlag, daß es eine Frechheit sei, jemanden über ein Thema veröffentlichen zu lassen, der von diesem nicht begeistert sei. Und das war wohlgemerkt lange vor der US-Präsidentschaftswahl 2024. Nun, dieser Leser und viele andere werden sich noch warm anziehen müssen.
Kommentariat 2024: MAGAlomanie
Dem Verlauf des Jahrs 2024 entsprechend war es kaum zu vermeiden, laufend und allerorten über Amerika sprechen zu müssen. Ob nun in Deutschland …
… oder in Österreich:
Da war es schon regelrecht erfrischend, zwischendurch einmal andere Themen aufs Tapet zu bringen. So etwa, im Februar 2024 in Brüssel über Schuldpolitik im Kontext der europäischen Neuen Rechten zu sprechen. Oder mit »Achtung! Amerikaner« über deutsche Heimatvertriebene zu reden. Oder zum Jahresabschluß als Teil des Kontingents aus der “Germanosphere” beim »Milleniyule 2024« aufzutreten.
Unterhaltung 2024: Mechanoia
Ziehen wir es nicht länger als nötig: Ausgewählte Artikel meinerseits von 2024 stehen hier. Gelesen habe ich vergleichsweise wenig, weil es eigentlich durchweg etwas zu lektorieren oder zu übersetzen gab. Und irgendwann hat man tatsächlich auch mal die Schnauze voll von Büchern. Dafür gab es um so mehr auf die Ohren, weil postindustrielle Arbeit ohne Berieselung kaum denkbar ist. “All work and no play makes Nils a dull boy / All play and no work makes Nils a mere toy.”
- musikalische Wiederentdeckung 2024: Godflesh. Es mag durchaus an viel Arbeit gelegen haben. Vielleicht auch an vielen Begebenheiten rund um digitale Phänomene. Es könnte auch alles auf den YouTuber Wyattxhim zurückgehen, dem ich ein knappes halbes Dutzend hervorragender Musiktips verdanke. Darunter ist liebliches Getrümmer wie Reek of the Unzen Gas Fumes (nationalistischer japanischer Noise-Grindcore …) und Dragged Into Sunlight. Jedenfalls war 2024 ein ziemlich synthetisches Jahr, und musikalisch bedeutete das vor allem Noise und Industrial. Also nicht den oft so bezeichneten Gothen-Techno. Eher Klassiker wie Throbbing Gristle – und die metallisierte Fassung des Ganzen, der Justin Broadrick mit Godflesh den Weg gebahnt hat.
- musikalische Neuentdeckung 2024: clipping.. Was mir der gute Wyatt auf jeden Fall als erster nahegebracht hat, ist der hyperaktive-urbanparanoide Noiserap, den clipping. machen. Obwohl er mir schon früher hätte auffallen sollen. Immerhin haben die mir sehr lieben Youth Code einen großartigen Remix davon veröffentlicht – siehe unten. Und clipping. selbst haben, natürlich ironisch, keine Geringeren als Whitehouse gesampelt. Sicher, das ist alles andere als “Szene”-Musik (das ist ja das Gute daran). Sicher, das werden viele nicht mögen. Aber auf der Suche nach dem “ganz anderen” hört der eine eben Field Recordings, und ich eben so etwas.
- Spruch des Jahres 2024: »If you’re not fringe, you’re probably cringe.« Fiel mir schon 2022 mal ein, weitete sich aber erst im Folgejahr wirklich zu einer Parole aus. Es würde mich allerdings wundern, wenn nicht irgend jemand vor mir diesen Gedanken schon einmal gehabt hätte. Das macht aber nichts. Es geht um die Wirkung, nicht um irgendein albernes Urheberrecht, auch wenn “Setzungen” oft noch immer traurigen Stolz generieren.
Beitragsbild: unsplash.com / @nampoh


