Sander – ein Zwischenruf

Sander mit seinen jüngeren Werken
Lesedauer: 3 Minuten

Hans-Dietrich Sander, “nationaler Dissident” und Herausgeber der Staatsbriefe, verstarb am 25. Januar 2017 mit 88 Jahren. Zu seinem zweiten Todestag erreichte mich eine überraschende Depesche…

… wenn auch nicht aus Lucera. (So der Titel der Kolumne, die Siegfried Ostertag in den 1990 erstmals erschienenen Staatsbriefen von 1995 bis zur Einstellung 2001 schrieb.) Der Absender besagter Depesche war vielmehr Heiko Luge. Luge ist vor allem anderen Herausgeber der sehr lesenswerten Festschrift Grenzgänge. Liber amicorum für den nationalen Dissidenten Hans-Dietrich Sander (zu dessen Lebzeiten) mit Beiträgen sämtlicher beachtenswerten Namen der 2008 aktuellen “Neuen Rechten”, etwa Thor v. Waldstein, Günter Maschke, Hans-Michael Fiedler, Franz Uhle-Wettler oder Martin Lichtmesz. Darüber hinaus aber ist Luge eben auch noch publizistischer Nachlaßwalter des Verstorbenen; er gibt seit 2016 beharrlich Band für Band die Sander-Werkausgabe heraus. Dazu gehört der tatsächlich immer noch zunehmend wichtiger werdende Klassiker Die Auflösung aller Dinge ebenso wie der zu Sanders Lebzeiten regelmäßig angekündigte, aber offenbar nie vollendete große Wurf Das Gastmahl des Leviathan.

Anlaß der Wortmeldung Luges war ein en passant in die Tasten gehauener Netzkommentar von mir auf der Netzpräsenz der Sezession. (Ich weiß schon, warum ich mich normalerweise längst nicht mehr an irgendwelchen Kommentariatsalbernheiten beteilige.) Thema war die Frage nach der Originaltreue der wiederaufgelegten Texte:

Sander damals wie heute

Die erwähnte, bereits eine Weile zurückliegende Friktion ergab sich natürlich aus später, sich weiter und weiter hinziehender Nacharbeit an meiner alten Hamburger M.A.-Thesis über die Staatsbriefe und tut hier nichts weiter zur Sache. Viel interessanter und wichtiger für an Sander und seinem Werk Interessierte ist Luges Stellungnahme zum Obigen. Mit dankenswertem Einverständnis des Verfassers gebe ich sie hier wieder. (Erleichtert habe ich sie lediglich um Stellen, die nicht unmittelbar mit dem Gegenstand zu tun haben.)

Betr. Sander-Edition

Ich bin mit Sander knapp 25 Jahre bekannt gewesen […]. Das Buch-Projekt ist eine gemeinsame Idee von Sander und mir gewesen, mit einer mehrjährigen Vorlaufzeit. Als wir beide überlegten, wie die teilweise 30 Jahre alten Texte herausgebracht werden sollten, verwies Sander auf das im Nationalen Imperativ von ihm selbst erwähnte und praktizierte Konzept der “fortlaufenden Aktualisierung”. So wurde dann auch verfahren.
Sander änderte noch etliche vorgesehene Texte selbst ab, strich einzelne Passagen, schrieb Ergänzungen, sogar neue Kapitel (z.B. für “Die Auflösung aller Dinge”), diktierte mir noch kurz vor seinem Tod einige wichtige Dinge, die er im “Tragischen Interludium” enthalten haben wollte uswusf. Kurz: Mir liegt ein umfangreiches – von Sander höchstpersönlich redigiertes – Aktualisierungsmaterial vor, das ich selbstverständlich auf seinen Wunsch mit eingearbeitet habe bzw. noch einarbeiten werde (einige Titel sind ja noch gar nicht veröffentlicht).

Danke für diese Klarstellung – ich habe offenkundig vorschnell geurteilt. Am besten sollte sich wohl jeder Leser selbst sein Urteil bilden. Im Idealfall geht man ohnehin stets an die Quellen.

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