Akzelerationismus, NRx, Weltuntergang

Akzelerationismus macht wuuuusch
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Akzelerationismus dreht sich um Beschleunigung – ist klar, auch ohne großes Latinum. Gegen die notorische Begriffsstutzigkeit deutschsprachiger Medien kommt auch er nicht an.

Weniger als 24 Stunden vor Beginn der US-Midterms, wo u.a. der Thiel-Protegé und angebliche “Neoreaktionäre” Blake Masters zur Wahl steht, hat nun endlich auch der schnarchige ORF die fürchterliche Big-Tech-Rechte für sich entdeckt. Nur interessiert das außerhalb von »Restjugoslawien-Nord« (Wischmeyer) so wenige Menschen, daß es schon Twitter und unsereins braucht, um das Ganze überregional bekanntzumachen. Nicht ohne Grund.

Das Video findet sich (noch) hier, Stand vom deutschen “Schicksalstag” 9. November. Gemäß dem sogenannten ORF-Gesetz – Österreich macht Österreich-Dinge – darf es allerdings nach Ausstrahlung scheinbar nur eine Woche lang vorgehalten werden. Nun, bekanntlich gibt es nichts, was es im Internet nicht gibt, also mal abwarten, was zukünftige Onlinesuchen nach »Rechte Influencer in den USA« so ergeben …

Aber zum Thema. All der Unsinn, der in diesem allzu kurzen Filmchen erzählt wird, zeugt von maximal drei gelesenen Zusammenfassungen von (immerhin englischsprachigen) Wikipediaartikeln. Und natürlich viel zu spät, wie es sich gehört – aber immerhin gerade noch binnen Tagesfrist für die anstehenden und vieldiskutierten Halbzeitwahlen. Für den deutschsprachigen Raum habe ich indes bereits vor fast drei Jahren das Notwendige festgestellt, auch wenn es nur mit Glacéhandschuhen veröffentlicht worden ist.

Getreu der marxistischen Dialektik von Basis und Überbau gibt es keinen realpolitischen Anspruch. Vielmehr wird die der Verwertungslogik entspringende Entkoppelung der Politik von Max Webers »Verantwortungsethik« im akzelerationistischen Modell quasi nebenbei bis zur Implosion auf die Spitze getrieben. Wozu sich mit dem Appendix aufhalten, wenn man gleich auf das Herz zielen kann? […] Dort, wo das Denken mehrheitlich noch immer im Morast des 19. Jahrhunderts feststeckt, ist das Konzept seither erwartbarerweise wenig thematisiert und noch weniger verstanden worden.

Das galt 2020 ebenso wie heute. Genauso wie das, was – guten Tag, Herr Wolf! – auch und gerade für den ORF bedeutsam ist:

Übt man Kritik an der Verfemung zeitgenössischer Dissidenz gerade
durch die Medien, so folgt als höhnische Antwort oft: »Meinungsfreiheit bedeutet nicht Freiheit von Konsequenzen!« Nun, das gilt natürlich
mindestens genausosehr auch für die Pressefreiheit.

Zeit für die hauptamtliche Opferfraktion, sich endlich in Harassment Architecture zu vertiefen, möchte man meinen. Für die vertiefende Lektüre hier noch einmal zusammengefaßt:

Und wer tatsächlich ernst zu nehmenden (R/Acc-)Akzelerationismus sucht, also kein Hurnalist ist, der tue das Unaussprechliche und werfe einen Blick auf die Levante:

Beitragsbild: unsplash.com / Jr Korpa

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