Carl Schmitt im Interregnum

Am 11. Juli jährte sich der Geburtstag von Carl Schmitt zum 130. Mal. Zu diesem besonderen Anlaß jedoch wurde ich in den Podcast „Interregnum“ eingeladen, ein gemeinsames Projekt von AltRight.com und Arktos-Verlag. Es war mir eine Ehre!

Warum Carl Schmitt?

Es lohnt sich generell immer, über den Meisterdenker zu sprechen. Nun sind aber Leben und Werk von Carl Schmitt natürlich überaus weitläufige Themen. Es hat bereits Dutzende wissenschaftliche Colloquien darüber gegeben, die Sekundärliteratur wächst Jahr um Jahr. Und beide Entwicklungen scheinen nicht in absehbarer Zeit ein Ende zu finden.

Das war auch bereits lange vor dem angeblichen Schmitt-Revival infolge der neokonservativen Exzesse unter US-Präsident George W. Bush der Fall. Davon legen etliche Tagungsbände wie die legendäre Complexio Oppositorum (1988) beredtes Zeugnis ab. Selbst ein dezidiert linker bzw. „alternativer“ Verlag wie Merve führt nicht nur eines, sondern gleich zwei Bände über und mit dem „Alten aus Plettenberg“.

Davon ist Jacob Taubes‘ Ad Carl Schmitt. Gegenstrebige Fügung gewiß der unterhaltsamere. Das aber liegt vor allem an seinem anekdotischen Charakter,  weniger am Informationsgehalt. Die mehrfach – abweichend – geschilderte Episode seiner, Taubes‘, erster Begegnung mit Hans-Joachim Arndt etwa ist laut Arndt selbst frei erfunden. Doch allein aufgrund der berühmten Szene, in der der vom Berliner SDS als Redner eingeladene Alexandre Kojève die Studenten links liegenläßt, um Carl Schmitt zu besuchen, lohnt sich die Lektüre schon.

Joachim Schickels Gespräche mit Carl Schmitt hingegen drehen sich um inhaltliche Fragen. Das gilt ebenso für das hochinteressante »Solange das Imperium da ist«. Zu Schmitts klandestinem Einfluß auf die frühe Bundesrepublik bleibt das Opus magnum meines eigenen Lehrers Dirk van Laak maßgeblich, Gespräche in der Sicherheit des Schweigens.

Darum Carl Schmitt!

In jedem Fall war es nicht möglich, innerhalb der Kürze der Zeit alle wichtigen Themenkomplexe zu Carl Schmitt zu streifen. Seine Mitwirkung am „Preußenschlag“ mußte unter den Tisch fallen. Auch auf seine zeitweilige Anbiederung an den NS-Staat und den Ursprung der Phrase vom »Kronjurist des Dritten Reichs« konnten wir nicht zu sprechen kommen. Indes: „Interregnum“ ist eigentlich auf eine Laufzeit von einer Stunde ausgelegt. Und die wurde für diese Episode, an der ursprünglich auch Augustus Invictus teilnehmen sollte, schon gehörig überzogen. Mein Dank gilt hier der Nachsicht des Gastgebers John Bruce Leonard.

Natürlich werden dies auch etliche lesen bzw. anhören, die sich vor allem für die Alt-Right interessieren. Da ist Schmitt Pflicht, und das nicht nur, weil u.a. Alexander Dugin und Richard Spencer auf ihn zurückgreifen. Deshalb möchte ich abschließend auf einen besonderen Leckerbissen hinweisen: In Ausgabe 4/2010 der US-Kulturzeitschrift The Occidental Quarterly findet sich eine sehr lesenswerte Studie, »Concealed Influence: Francis Parker Yockey’s Plagiarism of Carl Schmitt«. Diese weist minutiös nach, daß und wie sehr sich der neospenglerianische Kulturphilosoph Francis Parker Yockey bei Schmitt bedient hat. Tatsächlich sind ganze Absätze von Yockeys elitärem Werk Imperium. The Philosophy of History and Politics direkt aus Schmitts Der Begriff des Politischen übernommen. Und: Yockey muß diesen im deutschen Original gelesen haben. Eine herausfordernde Lektüre – aber eine ungemein wertvolle!

Und nun will ich den Podcast für sich sprechen lassen.

Listen to „Carl Schmitt and the Nature of Power with Nils Wegner“ on Spreaker.

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von Anders Noren.

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