Europa, wir und die anderen

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Europa beschäftigt uns alle – besonders vor den Wahlen. Das Arcadi-Magazin sammelte dazu Gedanken, und meine kamen offenbar ganz gut an.

Europa oder EU?

Ende Mai wurde, heute längst Geschichte, zum neunten Mal das Europäische Parlament gewählt. Unter Schirmherrschaft des AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Pasemann (b a s i e r t) hat Arcadi einen Schreibwettbewerb ausgerichtet: Europa und seine Zukunftsperspektiven in der anstehenden Legislaturperiode, von rechts gesehen.

So etwas läßt man sich als hauptamtlicher Schreibtischtäter natürlich nicht zweimal sagen. Besonders dann nicht, wenn man die europäische Frage für schicksalhaft erachtet. Und zu Europa Ansichten pflegt, die nicht unerheblich vom – hoffentlich nur zeitweilig – gängigen Nationalpopulismus der „Szene“ divergieren. Denn es bleibt dabei: »Jungeuropa lebt!«

Die Ausgangsfrage nach dem heutigen Stellenwert Europas „für junge Menschen, die kritisch und nonkonform denken und leben“, sitzt einer Verwechslung auf. Denn geht es nicht viel eher darum, wie sich ebendiese […] jungen Menschen für Europa einsetzen können? Wie sie sich zu ihm in Beziehung setzen können, nicht etwa für die bloße Bewahrung des überkommenen, einem politisch-militärisch-industriellen Komplex entsprungenen EU-Europa als Wirtschaftsstandort, sondern vielmehr für einen fundamental anderen Gedanken von einem in aller Ernsthaftigkeit jungen Europa? Einem Europa jenseits unserer gegenwärtigen Gewohnheiten und unseres Überdrusses, das heute oftmals in (neo-)klassischen Zügen gemalt und deshalb in Anlehnung an unser römisches Kulturerbe und zur scharfen Abgrenzung von den wesenhaft Handel treibenden, globalistischen „Seeschäumern“ Carl Schmitts mit einem Augenzwinkern eben nicht Europe, sondern Evropa geschrieben wird?

Arbeit adelt!

Was aber das Wichtigste ist und um so seltener berücksichtigt wird: Thematische Bedeutungsschwere muß Lese- wie Schreibvergnügen nicht verstellen. Deshalb also einen nicht gleich auf der Hand liegenden Blickwinkel gewählt: demographische Fragen, parallele Epochenwechsel und die sich daraus ergebende Drift in der politischen Struktur. Das übrigens unter maßgeblichem Rückgriff auf eigene Statistikkünste (zum ersten und definitiv letzten Mal).

Das Ganze dann mit der üblichen Kantigkeit und reichlich Vitriol abgeschmeckt – immerhin ist bekanntlich das System das Problem! Zuletzt nach großem Vorbild noch mit angemessener Wortgewalt garniert, und fertig war der Aufsatz mit seinen 17.500 Anschlägen. Also … gegen 23:50 Uhr des 12. Mai, an dem die Abgabefrist endete. Was aber auch nicht aus der Reihe fällt. Unter ähnlichen Umständen sind sämtliche meiner universitären Arbeiten und die meisten meiner Artikel entstanden.

Gerade uns von der Financial Times sogenannten „modernen Barbaren“, den „Totengräbern eines weltoffenen, demokratischen und solidarischen Europas“ (DGB-Chef Reiner Hoffmann), sollte darüber hinaus eines immer vor Augen stehen: Dass nämlich das Projekt einer „Internationale der Nationalisten“ – eine Parole, die sich die geneigten europäischen Rechtspopulisten bezeichnenderweise ausgerechnet vom erfolglosen US-Strippenzieher Stephen Bannon zurechtschneidern ließen – vor nicht allzu langer Zeit bereits einmal mit Pauken und Trompeten gescheitert ist: Das war die „rechtsdemokratische“ EU-Parlamentsfraktion „Identität, Tradition, Souveränität“, die unter ihrem schönen Namen nicht einmal zwölf Monate lang bestand, ehe sie von internen, nationalstaatlichen Spannungen […] zerrissen wurde.

Berlin Calling

Nun hat sich aber mittlerweile herausgestellt: Nicht nur der Entstehungsprozeß, sondern auch die Bewertung stellen eine Reminiszenz an meine Studentenzeit dar! Auch wenn die Gutachten zu meinen beiden Abschlußarbeiten etwas ausführlicher ausfielen…

Europa ist angekommen im Bundestag!

Selbstverständlich sehr erfreulich! Den kompletten Essay wird es voraussichtlich zum Jahresende in der projektierten Nummer 3/2019 von Arcadi geben. Dennoch will ich hier schon jetzt einige Passagen zum Einblick präsentieren.

„Alles im Staat, nichts außerhalb des Staates, nichts gegen den Staat“, wie es 1927 auf dem nationalen Höhepunkt Italiens formuliert wurde. Dieser Nationalstaat, ein Phänomen des 19. Jahrhunderts, fand seine Absolutsetzung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und wie auch immer man dazu stehen mag, bedarf unsere heutige brenzlige Lage doch des notwendigen Realismus, um zuzugeben: Diese Zeit ist unwiederbringlich vergangen. Die Europäische Union heutigen Zuschnitts als Endstadium einer fortschreitenden liberalistischen Entpolitisierung und Relativierung der volklichen Eigenheiten auf dem europäischen Kontinent wiederum hatte ihre Zeit in der Umbruchszeit der frühen 1990er-Jahre, als mit dem Ende der jahrzehntelangen Blockkonfrontation das „Ende der Geschichte“ – und mithin das „Ende der Politik“ – zum Greifen nahe schien. Allein: Politik endet nicht, solange es noch Menschen gibt.

Das ist wohlgemerkt nicht das Ende meines Wettbewerbsbeitrags. Aber er eignet sich doch ganz hervorragend als Schlußsatz hier, oder nicht?

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