Hitler, unvermeidlich: eine Innenansicht

Am ewigen Wiedergänger aus Braunau ist eben kein Vorbeikommen. Nun also (leider?) Hitler auch hier. Denn es gibt unterhaltsame Neuigkeiten – von der Warte des Schreibtischtäters aus besehen.

Denn wie ich am vorvergangenen Montag via Twitter erfuhr, ist beim Ares-Verlag in Graz nun endlich ein neues Buch lieferbar, das für einige Schnappatmung sorgen wird: Hitler in Hell. Was er noch zu sagen hätte …!

Woher ich das mit der Schnappatmung weiß? Nun, ich hatte die Ehre, den Wälzer (fast 420 Seiten) zu übersetzen. Das Angebot kam im vergangenen Spätherbst ganz spontan und hat mich in mehrfacher Hinsicht amüsiert. Einerseits deshalb, weil die englischsprachige Ursprungsfassung bei Castalia House erschienen ist.

Hitler Creveld verbindet – strange bedfellows

Dieser in Finnland ansässige Verlag hat (auch) hochinteressante und empfehlenswerte Bücher wie das 4th Generation Warfare Handbook von William S. Lind publiziert. (Mit dessen Thesen und ihren Implikationen habe ich mich schon in Sezession 74 ausführlich befaßt.) Vor allem aber ist das der Verlag, den Theodore Robert „Vox Day“ Beale gegründet hat und dessen Programm er maßgeblich verantwortet (bzw. selbst schreibt): langatmige Fantasyromane, Military-SF diesseits von BattleTech und Warhammer 40k sowie alberne Polit-Comics. Darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein. Beales ständige, penetrante Philisterei über die Alt-Right und alles drumherum (vgl. sein sehr „selbstbewußtes“ Blog) ist aber nicht nur auf Dauer mehr als anstrengend. Ganz zu schweigen von seinen Livestreams bei YouTube. Und seiner Kumpelei mit Schädlingen wie Mike Cernovich und Jack Posobiec. Aber zu diesem Kasperletheater vielleicht ein andermal mehr. Denn die Szene bietet ja glücklicherweise mehr als genug andere Möglichkeiten, sich eine Meinung zu bilden. Um so passender, daß mir erst kürzlich eine krachige Trilogie (1, 2, 3) ins Haus marschiert ist…

Hitlers Crevelds Herausforderungen

Andererseits ist Creveld natürlich vor allem (Militär-)Historiker. Hitler in Hell ist jedoch frei von den üblichen behutsamen Schritten der Geschichtswissenschaft. »Inhaltlich schwankt das Buch stets zwischen bewusster Provokation und Information«, hieß es über ein anderes Buch von Creveld, und das ist hier noch offensiver der Fall. Das macht das Buch aber auch um so amüsanter. Hier wird dick aufgetragen, und der im undeutlich beschriebenen Tartaros einsitzende Führer darf ordentlich in alle Richtungen austeilen. Das bedeutet aber nicht, daß Creveld mit einem groben Pinsel gemalt hätte – vielmehr finden sich unzählige Einflüsse und Bezüge, von den erwartbaren zeitgeschichtlichen Quellen über teils bestürzende „psychoanalytische“ Werke aus dem Kehricht des Freudomarxismus und die sinnvolleren Erträge versuchsweiser Psychopathographie bis hin zu einer Gesamtschau der mit dem Nationalsozialismus befaßten Historikerschaft. (Einschließlich eines Furor teutonicus, wenn es um Daniel Jonah Goldhagen geht…) Das macht das Buch unabhängig von seinem Protagonisten für den Geschichtsinteressierten zu einem vergnüglichen Puzzlespiel: Des öfteren zitiert Hitler Creveld sich selbst, Fachkollegen oder Zeitgenossen der 1900er bis 1940er Jahre im O-Ton, ohne die Übernahmen zu markieren. Da kann nun jeder Leser zeigen, ob seine Beschäftigung mit dem Thema über den wöchentlichen Spiegel und den History Channel hinausreicht!

Wie meine Besucher feststellten, lebte ich nie anders als in dem bescheidenen Luxus, den sich – sagen wir mal – ein erfolgreicher Geschäftsmann leisten würde. Ich wechselte nicht mehrmals am Tag die Uniform oder bedeckte mich mit Orden und Edelsteinen. Im Gegensatz zu einem gewissen dekadenten Mistkerl aus England, den ich hier nicht namentlich nennen werde, schraubte ich die Tube meiner Zahncreme immer selbst auf und drückte sie auch selbst auf die Bürste. Im Gegensatz zu ihm habe ich auch nie einer Frau gesagt, dass ich gerne ihr Tampon wäre.

(Sie wüßten gern, welcher »Mistkerl« hier gemeint ist? Der Weg zur Antwort führt durch das Wunderland des Meta…)

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von Anders Noren.

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