Hitler, unvermeidlich: eine Innenansicht

Hitler – aus israelischer Sicht?!

Mir fallen eine Menge Gründe ein, warum manch einer das kritisch sehen könnte. Insgesamt aber ist es doch so, daß viele der eher interessanten Bücher zum Thema von Israelis bzw. Juden stammen. Im Hinblick auf Fachliteratur denke ich da etwa an Norman Finkelstein (Die Holocaust-Industrie) sowie dessen Quasi-Vorläufer Peter Novick (Nach dem Holocaust). Martin van Creveld selbst ist ein sehr gutes Beispiel. Ein „wehrmachtsapologetisches“ Buch wie Kampfkraft hätte wohl kaum ein Deutscher geschrieben. Erst recht nicht 1982! Gleiches gilt unter heutigen ideologischen Vorzeichen für Wir Weicheier. Nach dessen Genuß braucht man denn übrigens durchaus nicht mehr das „neue“, in Wahrheit vor den Weicheiern erschienene Gleichheit. Das falsche Versprechen. Und auf der belletristischen Seite ist insbesondere Jonathan Littells Die Wohlgesinnten zu nennen. (Mit deutlichem Abstand auch dessen stark überschätzter Abklatsch – oder eher Parodie? – Interessengebiet von Martin Amis.) Kein Buch, das man jemandem empfehlen würde. Damit könnte man schnell einsam werden. Aber die Lektüre ist doch ein interessantes Erlebnis und noch deutlich zahmer als das Internet.

Der häufige inhaltliche Mehrwert solcher Autoren liegt übrigens bei weitem nicht nur an der Gesetzeslage in Deutschland und anderswo. Ursache ist auch eine längst verinnerlichte kognitive Sperre, die es vielen verunmöglicht, solche scheinbaren Ungeheuerlichkeiten in ihrem goyishe Kop (oder so) überhaupt zu erdenken. Dem haben andere nun mal einiges an Leichtigkeit voraus – und an Chuzpe. Creveld ist nicht umsonst ausdrücklich inspiriert vom unlängst verstorbenen kontroversen Journalisten Uri Avnery. Wer Autoren nicht beim Lesen dabei zusehen möchte, wie sie in Sack und Asche gehen, sollte einen Blick ins Buch riskieren. Es soll ja angeblich sogar Leute geben, die Tuvia Tenenbom lustig finden…

Muß das denn immer noch sein?

Kurz und bündig: ja. Die ewige Hitlerei nimmt ja auch heute noch kein Ende, zumal um mißliebige Dritte damit anzuschießen. Besonders lächerlich gemacht hat sich damit ja erst kürzlich der Tagesspiegel. Das durchschaut selbst der gesprächige GröFaZ in seinem Limbus:

Abgesehen von unzähligen weniger bedeutenden Menschen sind unter anderem folgende Persönlichkeiten (fälschlich) mit meinem Namen bedacht worden: der ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser, der sowjetische Ministerpräsident Nikolai Bulganin, der irakische Diktator Saddam Hussein, der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad (in seinem eigenen Land als „der Affe“ bekannt), der russische Präsident Wladimir Putin, der amerikanische Präsident Donald Trump … Eine Reductio ad Hitlerum, könnte man sagen. Die Israelis, die immer behaupten, ein Sonderrecht auf Leid zu haben, spielen dieses Spiel besonders gern. Es bereitet mir allerdings große Befriedigung, dass ihre Feinde aufgeholt haben und die gleiche Taktik gegen sie einsetzen, wenn beispielsweise jemand ein Plappermaul wie den Ministerpräsidenten Netanjahu „Hitler“ nennt. Sie wünschten, sie hätten nur einen Bruchteil meines Formats. Jeder Einzelne von ihnen.

Über den Ansatz des Buchs an sich mag man vielleicht die Augen verdrehen. Aber: Wenn eine Realsatirezeitung wie die Bild für die Quote schon den Großneffen Hitler durch’s Dorf treibt, wird ein nicht weniger kurioser Ausgangspunkt für eine ernsthafte Annäherung wohl noch in Ordnung sein.

Fazit

Bleibt festzuhalten: Die Übersetzung dieses Buchs war ein großer Brocken Arbeit. Ein Großteil davon war immerhin zeitgleich zum aufreibenden Abschluß von Sea Changes und Camille Paglia zu erledigen. Nichtsdestoweniger hat es viel Spaß gemacht – was sind schon ein paar sehr kurze Nächte? Ich habe überdies deutlich zur Aufwertung des Originals beitragen können, was etliche historische Details und vor allem korrekte Schreibweisen angeht. Verbuchen wir das mal als Gratis-Service für die anglophone Leserschaft. Und gelohnt hat es sich allemal: Herausgekommen ist eine sehr vergnügliche Lektüre. Umfangreich, weil voll mit historischem Detailwissen. Frei von der gängigen Frömmelei bundesdeutscher Populärwissenschaft. Und vor allem: ein einziger großer Trigger für unsere bekannten ReichsBundesbedenkenträger. Wenn Sie einmal eine ganz andere Geschichte der vergangenen Extreme lesen wollen – greifen Sie zu!

Martin van Creveld: Hitler in Hell. Was er noch zu sagen hätte…, Graz 2018. 416 Seiten, 29,90 Euro. Bestellbar direkt beim Ares-Verlag, via Antaios und natürlich bei Amazon.

Seiten: 1 2

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von Anders Noren.

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