2019 – Ein weiteres Current year

Lesedauer: 6 Minuten

2019: Jahr aus, Spott an

Womit wir denn auch beim endgültigen Schlußlicht wären, denn 2019 ist ein Jahr – wie jedes andere auch –, um auf Trotteln und Bauernfängern herumzutrampeln. In Minecraft, natürlich.

Daß man als stolzer „Paddriod“ nicht die Muttersprache zu beherrschen braucht, machen ja gerade die größten Netzberühmtheiten der „Szene“ vor. Ein wenig Grundrechnen sollte aber wohl doch drin sein – und sei es nur, um das Flaschenpfand zusammenzuzählen.

Die kleine Kohorte an PI-Leserschaft, die da in Köln demonstrierte, bestand optisch aus (schlecht erhaltenen) GenXern. Deren »unsere Omas«, die dort laut Tweet »gewürdigt« wurden, wären demnach Angehörige der Generation der Kriegskinder und Flakhelfer (vgl. hierzu mentalitätsgeschichtlich unbedingt Maschke!). Allein: Das sind nicht die im WDR-Lied veralberten Omas, denn die Großeltern der Kinder, die dort gesungen haben, sind ihrerseits tatsächlich Babyboomer. Diejenigen, die sich jetzt nach und nach zur Ruhe setzen. Solche mit Aufklebern wie »Wir verprassen das Erbe unserer Kinder schon jetzt« am Wohnmobil. Verantwortliche für 16 Jahre Helmut Kohl und wohl ebenfalls 16 Jahre Angela Merkel. Die Generation des vordergründig so reumütigen WDR-Intendanten Tom Buhrow selbst. Diejenigen, die sich noch ohne viel Federlesens den unablässig steigenden GEZ-Beitrag abpressen lassen.

Und diejenigen, über die herzuziehen in jugendlich-dissidenten Kreisen seit zwei, drei Jahren enorm modisch ist. Durchaus nicht zu Unrecht – auch wenn darüber stärker reflektiert werden muß, wenn man sich nicht lächerlich machen will, wie ich bereits in Semriach feststellte. Zumal dann, wenn man allzugern das Geld dieser Leute nimmt. Einen Beigeschmack hat das Ganze unter diesen Voraussetzungen auf jeden Fall: Wenn „paddridiodische“ Berufsaktivisten über „die Boomer“ herziehen, ist das etwas anderes, als wenn es öffentlich-rechtliche Politmedialmarionetten tun? Ja oder nein? Und wenn nein: Was ist von „Dissidenten“ und „Verteidigern des Eigenen“ zu halten, die in derart banalen Dingen nicht konsequent sind?

2019: Addenda

Allein: All das ist tatsächlich gar nicht mal so wichtig. Für sich und die Nächsten eine Enklave zu schaffen, bedarf ebenso des Rückhalts wie des Willens. Sich nur in dicken (alten, fauligen…) Brettern festzubeißen, führt überall zu einer Verbiesterung, die ebenso ins Nichts führt wie das verzweifelte Heischen nach Mehrheitsfähigkeit. In diesem Sinne:

  • musikalische Wiederentdeckung 2019: Filter. In grauer Vorzeit kam ich durch VIVA Plus über „Where Do We Go From Here?“ auf Filter. Das Album dazu, „The Amalgamut“, habe ich mir mit 16 Jahren sogar gekauft. Inzwischen allerdings klingen sie doch ganz anders in den Ohren. Allen voran der Kracher „Hey Man Nice Shot“, aber auch der Publikumsliebling „Take A Picture“. Und ganz speziell für die „Szene“:

  • literarische Wiederentdeckung 2019: Nick Land. Sein furios-delirierendes The Thirst for Annihilation war mir schon 2015 beim Einlesen in Georges Bataille untergekommen. Dieses Jahr habe ich endlich zu Fanged Noumena gefunden – allein aufgrund des Titels schon ein Muß. Quasi „alte Kamellen“, aber meine Güte, was für eine ikonoklastische Energie! Derlei gibt es diesseits der politischen Kluft überhaupt nicht. Aus Gründen.

  • literarische Neuentdeckung 2019: David Foster Wallace. Da kam doch Bret Easton Ellis dieses Jahr mit Weiß daher und brachte mich über einige Anspielungen auf Wallace. Ich besorgte mir ein gebrauchtes Exemplar von A Supposedly Fun Thing I’ll Never Do Again. Mittlerweile alles Greifbare in den Kopf geschraubt, sogar ein Suhrkamp-Bändchen. Ellis hat recht: Die Sachtexte sind interessanter als die Prosa. »E Unibus Pluram: Television and U.S. Fiction« muß man gelesen haben. Notfalls in Übersetzung.

  • Spruch des Jahres 2019: »The beginning of the war will be secret.« (Jenny Holzer)
    2019 war schon immer.

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