Belltower.News auf Sparflamme: die Alt-Right von 2017

Begriffe für Unbegreifliches

Wie sehr diese engagierten „Wissenschaftler“ an ihre Grenzen stoßen, zeigt sich anschaulich im Abschnitt über Ideologie. Die Alt-Right, die trotz aller Beteuerungen mitnichten eine Bewegung ist (soviel zur theoretischen Fundierung), soll einerseits über kein »festes Ideologiefundament« verfügen. Andererseits sind ganz schnell die üblichen Etiketten bei der Hand: »Im Zentrum steht [dies] … Im Zentrum steht [das].« – Der/die/das gesuchte Praktikant*_Innx für „Belltower.News“ sollte wohl besser Germanist sein! Daß die unmittelbar folgende Einräumung von »vereinzelt« »angedeuteter« »Heterogenität und Widersprüchlichkeit« das alles sogleich wieder relativiert? Egal, es geht ja um die Vast right-wing conspiracy – und mehr Fördergeld vom Freistaat Thüringen.

Sucht noch jemand den Beweis dafür, daß man beim „wissenschaftlichen“ IDZ keine Ahnung von der Materie hat (mutmaßlich mangels Studium der Primärquellen)? In diesem Abschnitt wird er fündig werden:

Sie kann als eine radikale Form des politischen Backlash gegen die Errungenschaften der Bürgerrechts- und Frauenbewegung verstanden werden.

Das ist durchaus nicht der Fall, denn die Alt-Right war von Anfang an eine Abgrenzungsbewegung insbesondere zum US-Neokonservatismus. Für den so oft bejammerten Backlash gegen ein halbes Jahrhundert alte »Errungenschaften« sucht man vergeblich Beispiele. Die Affirmative action wird es vermutlich nicht sein.

Besonders amüsiert hat mich, daß auch das IDZ auf das Mem von der White sharia hereingefallen ist. Ich habe empörte Verweise darauf aus schon so vielen mehr oder weniger klugen rechten(!) Texten herausstreichen müssen – die Wasserscheide der Befähigung zur Memetic warfare scheint (erwartungsgemäß) auch zwischen den Generationen zu verlaufen. Zusätzlich zu jener zwischen den politischen Lagern, die hinreichend bekannt ist. Unser darin so deutscher Jan Böhmermann ist ja derzeit ganz versessen darauf, alle paar Wochen neu zu beweisen, daß »the Left can’t meme«.

Belassen wir es aber lieber erst einmal dabei. Auch wenn man die zutiefst peinliche IDZ-Übersetzung von edgy (sowie die Perpetuierung des Red herring von der Milch) gesehen haben muß, um sie glauben zu können.

Alt-Right-Leser wissen mehr

Als ein besonderes Schmankerl sei nur noch die Auswahl der weiterführenden Literatur genannt. Da stehen (natürlich) zig Eigenpublikationen, die ziemlich sicher totaler Schrott sind. Insbesondere die Flugschrift zur Memetik, weil schon der Titel eine völlige Unkenntnis des Ursprungs der Memtheorie offenbart. Wer die viel zu späte und oberflächliche Kurzversion für nicht wirklich Interessierte will, findet sie erwartungsgemäß bei der Jungen Freiheit; ansonsten habe ich den ganzen Themen- bzw. Memplex in der Sezession von vorne bis hinten durchdekliniert.

Hinzu kommt die (zwangsläufige) Aufführung eines ISD-Heftchens, das es auch online herunterzuladen gibt. Es reiht bemerkenswert zusammenhanglos irgendwelche „Daten“ aneinander, um am Ende – nichts auszusagen, weder inhaltlich noch empirisch. Für Ergebnisse braucht es wohl mehr Geld von George Soros und seiner Open Societies Foundation, die Frau Ebner und Konsorten kräftig finanziert. Wer sich wirklich für die Alt-Right interessiert, greift selbstverständlich zu A Fair Hearing. Das gab es bei Abfassung des „Fact sheet“ natürlich noch nicht. Aber wer zu spät kommt (in diesem Fall „Belltower.News“), verpaßt bekanntlich das Beste. Vor allem, wie ein weiteres empfohlenes Buch durch den werten Dr. Devlin rundheraus zernichtet wurde. Und wenn ein keinesfalls apologetischer Alt-Right-Insider das mit einem Werk anstellt, das scheinbar die Blaupause für die Jungpionier-Wandzeitung des „wissenschaftlichen“ IDZ abgab – dann will das schon etwas heißen.

Vere dictum

Das sogenannte „Fact sheet“ des IDZ beinhaltet einmal mehr nichts weiter als das übliche Geschrei von der bevorstehenden nächsten Machtergreifung. Es kann jedoch immerhin dazu dienen, bislang uninformierte oder desinteressierte Zeitgenossen für die Alt-Right zu interessieren. Dazu zählen insbesondere Jugendliche mit Freude an Provokationen. Herzlichen Glückwunsch dazu, Herr Dr. Quent!

Außerdem bietet diese Melange aus leerem Wortgeklingel und durcheinandergeworfenen geistigen Kurzschlüssen zahlreiche Gelegenheiten zur Gegenrede. Bei sich bietender Gelegenheit werde ich mich gern einmal dieser Sache annehmen. Viel wichtiger ist aber noch hinreichend freie Zeit. Denn wenn man einem ehrlichen Beruf nachzugehen hat, ist man gegenüber den Staatsmündeln von IDZ, „Belltower.News“ und all den anderen Masken der Amadeu-Antonio-Stiftung ein wenig im Nachteil.

Für einen gewissen anstehenden ersten Jahrestag ist jedoch bereits alles vorbereitet. Ich kann daher insbesondere zum Thema Alt-Right diese Website hier ganz unbescheiden empfehlen. Auch und gerade den Männlein und Weiblein aus den o.g. „Denk“zirkeln, die dank Google Alert früher oder später auf diesen Text stoßen werden. Damit die nicht von den Zeitläuften verstört sind und am Ende noch Denkarbeit nachholen müssen, fallen wir abschließend auf einen Klassiker von 2016 zurück:

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von Anders Noren.

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