Charlottesville ein Jahr danach – was bleibt?

Lehren aus Charlottesville

Rein operativ bzw. strategisch betrachtet, gibt es nur drei Möglichkeiten:

  1. Kundgebungen weiter wie bisher. Kessler scheint sich darauf eingeschossen zu haben, allerdings mit Einschränkungen (siehe unten). Damit steht er allerdings ziemlich allein, soweit ich die Lage überblicke.
  2. Kundgebungen nur noch auf heimischem Boden. Heißt: Man trifft und produziert sich dort, wo man auf behördliche Duldung hoffen darf. Angenommen, es gibt diese Orte, so schafft das natürlich mehr Sicherheit. Allerdings senkt es ebenso das Provokationsvermögen und damit den agitatorischen Hebel der Alt-Right. Überlegungen in dieser Richtung bei genau kontrolliertem Teilnehmerkreis kenne ich von Richard Spencer. Die meisten bereits im Juni 2017 in Washington, D.C. vertretenen Redner und viele der geplanten „UTR“-Redner dürften ähnlich denken.
  3. Kundgebungen komplett streichen. Dieser Standpunkt war etwa von Mike Enoch zu hören. Allerdings mit einer etwas makabren Nebenbemerkung: Wenn man der Antifa offizielle Alt-Right-Veranstaltungen als dankbare Ziele entziehe, müsse diese – wie schon im Wahlkampf 2016 – wieder auf Normies einschlagen. Dadurch würde sie sich aufs Neue delegitimieren. Hinzu käme von einem akzelerationistischen Standpunkt die mögliche Radikalisierung der „Gemäßigten“. Und die schreitet offenbar zügig voran.

Denn da war ja noch Portland. Das Death panel hat sich Anfang Juli ausgiebig damit beschäftigt, und dem ist wenig hinzuzufügen. Zumindest, was das erste Auftreten des „Berkeley-Effekts“ angeht.

In der Folge war das Gejammer natürlich wieder groß. Insbesondere von linker Seite; dort verwechselt man eben allzuoft die Ausnahme mit der Regel. Am Ende steht dann natürlich die Suche nach Schuldigen, auch in den eigenen Reihen. Natürlich gibt es die stets auch auf der Rechten – allerdings in der Regel vor jeglicher Aktivität. Um so genüßlicher zu lesen:

Portland war nicht Charlottesville. Portland war Berkeley.
Antifaschistische Weltbilder wanken.

Selbstredend war es dann wieder an der Presse, weitere Auftritte des gänzlich biederen und toleranten „Patriot Prayer“ niederzuschreiben. Bei solchen scheinbaren Heimspielen sind natürlich die deutschen Schoßhund-Medien nicht weit. Besonders entblödet hat sich der Soja-Ole für (Überraschung) Spiegel Online. Ich kann nur wieder einmal auf den vielsagenden Unterschied zwischen URL und – nachbearbeiteter – Überschrift hier verweisen…

Mit „Patriot Prayer“ hat es SpOn übrigens vor gut einem Jahr – nach Charlottesville – auf der Jagd nach Klicks schon einmal versucht! Ausweislich des Texts hier schwankte man auch damals schon zwischen Kindergeburtstag und analer Phase. Manche Dinge ändern sich eben nie, weder bei der Antifa und ihren Cash-cows noch bei unseren Leidmedien. Fest steht, daß sich die Gegendemonstranten bei „beiden Portlands“ anständig blutige Nasen geholt haben: erst durch „Patriot Prayer“, beim zweiten Mal von der angemessen handelnden Polizei. Wie man das dem deutschen Publikum verkauft, ist natürlich wieder eine andere Sache.

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Meinung?

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von Anders Noren.

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