Charlottesville ein Jahr danach – was bleibt?

Charlottesville als Nagelprobe

Natürlich als Nagelprobe der Alt-Right. Das abgekartete Spiel der Behörden 2017 steht außer Frage. Aber selbstredend halten der Apparat und die Linke gegen Herausforderungen immer zusammen. Das steht auf der Rechten seit über 70 Jahren noch immer aus – deshalb liegt die „Lernschuld“, wenn man so will, eben bei ihr.

Vor allem anderen sei auf das herausragende Video des stets sehenswerten „Way of the World“ verwiesen. Ich mußte mich damals mit einem chaotischen Livestream begnügen. Von daher: Ein dankenswerter Zusammenschnitt! Und, vor allem hinsichtlich der CivNat-Windbeutel, des Wertegequatsches und des Verhältnisses zu Polizei et al.: Das beste mir bekannte Resümee. Über vieles muß seither systematisch und sehr genau nachgedacht werden. Hoffentlich begreifen das auch in deutschsprachigen Landen die richtigen Leute.

Einen ganz besonderen Stellenwert hat indes wohl der Selbstreinigungseffekt. Und das vor allem jetzt. Natürlich haben sich die Trittbrettfahrer und Netz-„Promis“ der Alt-Light schon seit 2016 eifrig distanziert. Zumindest dann, wenn es ihrem Marktwert förderlich erschien. Die konzertierte Werbung für Spenden an die realen Gewalttäter von Charlottesville 2017 – zur finanziell gut abgefederten Heranzüchtung von dessen Nachwuchs – ist jedoch ein neuer Tiefstpunkt. Und das von den üblichen Verdächtigen: Thernobith, der ausgebildete PsyOps-Offizier Posobiec, die Ex-Linksradikale Fairbanks und andere. Nur zum Verständnis: Das ist ungefähr so, als würden die Leithammel von Junge Freiheit, eigentümlich frei und Tichys Einblick „gegen Nazis“ an die Amadeu-Antonio-Stiftung spenden. Richard Spencer hat diese Charaktermasken schon vor weit über einem Jahr in Washington, D.C. völlig richtig eingeschätzt:

Das sind alles Cucks und Warmduscher, schlechter Umgang. Posobiec, Cernovich, das sind einfach nur Lügner, Hochstapler, Verrückte. […] Die Alt-Right ist besser dran, wenn wir diese Leute loswerden, die nichts als Ballast sind.

Spätestens jetzt sollte das auch der letzte Zauderer begriffen haben. Dafür kann man dankbar sein. Zu begreifen gibt es aber noch weit mehr. Das kann man auch als eine Frage der „operativen Hygiene“ sehen. Tatsächlich hat die Epikrise von Charlottesville 2.0 erst zur Metamorphose der Alt-Right hin zu ihrer heutigen Gestalt geführt. Auch, wenn diese nun weit weniger aktionistisch daherkommt. Oder vielmehr gerade deshalb. Allein, daß sie trotz dieses weitreichenden Schattens und der unablässigen Angriffe aus allen Richtungen noch immer präsent ist, liefert den Medien weiterhin ihr liebstes Schreckgespenst. Und das wiederum stellt Reichweite sicher. Aber: Wie weiter?

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von Anders Noren.

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